Journal

4. Januar 2019

Die vielen Gesichter des Zaubererbruders

Er ist ein SCHNITTer …

„Was denn noch alles?“, dachte ich irgendwann. Um den Überblick über die vielen verschiedenen Dinge zu bewahren, die ich auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren durfte (oder besser „hätte sollen“), gehörten die verschiedenen Endergebnisse unserer Arbeit auf der Bühne. Ich musste mir irgendwann eine regelrechte Karte der verschiedenen Bereiche anlegen, um auch ja nichts zu vergessen. Das hat leider nicht geklappt, wie ich kurz vor der Deadline zum Audioanteil der Mittschnitte zur Tour ZAUBERERBRUDER LIVE UND EXTENDED feststellen musste. Das lag vor allem an den sich plötzlich aus dem Dschungel der Deadlines heranpirschenden Einzelaufgaben, welche sich wie Raubtiere über mich hermachen wollten, kaum war ich noch völlig baff aus dem Tourbus getaumelt.

Die gute Nachricht kam schon wenige Tage später: Das Konzert, welches wir als Hauptquelle für unseren Ton benutzen wollten – man kann, sobald Film im Spiel ist, leider nicht wie bei einer losgelösten Konzertaufnahme von verschiedenen Abenden die besten Aufnahmen verwenden –, war sehr, sehr gut geworden. Lutz Demmler machte einen sogenannten Rough Mix vom Konzertmitschnitt und siehe da: Der klang schon ungemischt erstaunlich toll. Unsere Erleichterung kann man sich als Außenstehender kaum vorstellen, denn schließlich ist es nicht nur die Performance der Musiker, bei der mal was danebengehen kann – letztlich sind wir alle auch nur Menschen und von unzähligen Faktoren abhängig, was unsere Bühnensituation anbelangt –, nein, es kann ja jederzeit ein doofes Kabel sein Leben aushauchen, welches dafür verantwortlich gewesen ist, ein zartes Flötensignal zum Pult und Recording-System zu übertragen. Alles ging einigermaßen glatt, und das Ergebnis konnte sich sehen bzw. hören lassen, denn erste Videoaufnahmen gab es natürlich erst viel später zu begutachten.


Nun war es aber so, dass ich mir vorgenommen hatte, den Menschen, die die CD und/oder LP erstehen würden, ein völlig anderes Artwork zu bieten, sozusagen als kleinen Trost (falls sie verpasst hatten, an der Crowdfunding-Aktion teilzunehmen) oder sinnvolle Ergänzung zu den Video-Aufnahmen. So weit, so ambitioniert und gut. Nach tagelangem Durchwühlen des Materials von verschiedenen Fotografen, genauesten Plänen, was wie wo benutzt werden würde, und intensiven Besprechungen mit Layouter Pit Hammann erinnerte er mich an etwas, das ich gewusst, aber schlichtweg vergessen hatte: Es sollte ja auch eine Schallplattenversion geben. Also ein völlig anderes Bildformat als bei der CD. Zwar schön, weil viel größer, aber doof, weil viel größer. Man kann die Bilder und Texte nicht einfach größer ziehen und erwarten, dass die Wirkung genauso eindrucksvoll ist wie in CD-Format. Kann man schon, wird dann aber eher … mittelprächtig. Also haben wir alles komplett neu arrangiert und zusammengebaut und, weil es gerade so schön war, auch noch ein alternatives Cover bei Meran bestellt, denn wenn schon, denn schon.

Aber nicht nur an dieser Stelle hat der angebliche Vinylboom uns einen Streich gespielt. Auch beim Abmischen und Schneiden des Audiomaterials stand ich kurz vor einem Infarkt. Dazu muss man wissen: Die Abmischung von unserem alten Freund Vincent war wirklich genial geworden, was bei so vielen Instrumenten und Spuren, die alle um Aufmerksamkeit buhlen, ein echtes Kunststück darstellt. Gelungen! Dreimal Hurra. Aber für CD/Vinyl und Digital muss leider anders gemischt werden als für die DVD. Und dann der 5.1-Mix nicht zu vergessen. Sowas wollen die Leute ja …

Aua.
Aua.
Aua.

Viel mehr Aufwand als geplant. Na gut.

Aber das war alles kein Problem, schließlich haben die Leute mitgedacht.

Ich hatte nur leider vergessen, dass Schallplatten ja Seiten zum Umdrehen besitzen. Und das mir. Als Vinylfreund. Also kam nun die Gretchenfrage bzw. die Kantorkafrage: Passen die Songs irgendwie vernünftig auf die sechs zur Verfügung stehenden Schallplattenseiten?

Natürlich nicht. Zumindest nicht, ohne ein wahres Wunderwerk an Schnitt-Technik zu ergrübeln, welches allen Songs und möglichst auch den zusätzlichen Gedichten ungekappt zu ihrem Recht zu verhelfen.

Wir haben es geschafft. Die Schnitte haben teilweise weh getan und einige Kniffe des erfahrenen Audio-Engineers gefordert, aber es hat geklappt.
Da fragt man sich, ob die paar Vinyl-Käufer einem das ganze Brimborium überhaupt wert sein sollten. Nun, ihr kennt meine Antwort, hihi.

Manchmal bin ich dann doch froh, dass es keine Tape-Version gibt … Lasst mich mal überlegen … hmmm. Also am besten eine Doppelkassette, die eine mit einer Spielzeit von 90 Minuten, die zweite eine 60er, äh, dann müssten wir bei 45 Minuten für Seite A „Elf und einer“ in der Mitte durchschneiden oder vorher ausblenden und dann leeres Band lassen und spulen … ach, mir platzt der Kopf.

Fast forward … ??

Apropos Vorspulen!

Wir haben es wieder so gemacht, dass die Ansagen am Song VORHER als Anhängsel dran sind. Dann könnt ihr, wenn ihr nach einiger Zeit keinen Bedarf mehr an meinem Gerede habt, auf Skip klicken/drücken, und das nächste Stück startet.

Bei der Schallplatte … naja …
Da ist das dann euer Problem.

Bin gespannt auf eure Schnittberichte!
Vinyl vs. CD.

Asp