Journal

7. Juli 2018

Nachgedacht in der Pause. Teil 1: Tonträger-Vortrag

Natürlich bin ich im vergangenen halben Jahr nicht blind und/oder taub und nicht gänzlich abgeschottet von der Außenwelt gewesen, und so habe ich durchaus die freundlich-spöttischen Kommentare gelesen, die mir ein richtiges Pausieren und Abschalten gar nicht zutrauten.

Das gibt einem natürlich zu denken.

Freilich, Output und Anzahl an Aktionen waren in den vergangenen Jahren gleichermaßen hoch, und mein offener Umgang mit dem stets hohen Arbeitspensum in der Öffentlichkeit trug wohl zu meinem Ruf als notorischer Viel- und Überarbeiter bei.

Nächstes Jahr werden es zwanzig (20!) Jahre, die dieser Wahnsinn schon andauert, da ist es durchaus an der Zeit, an vielen Stellen ein kleines Resümee zu ziehen und an die interessierten Menschen dort draußen (genannt Fans) zu kommunizieren.


Als allererstes habe ich mir vorgenommen, diesen kleinen Journal-Eintrag komplett beschwerdefrei zu verfassen. Ich wünschte, ich könnte diesen Begriff auch im Zusammenhang mit meinem Körper benutzen, hihi.
Wie auch immer: Ich habe eins in den vergangenen Jahren gelernt: Die Offenheit, mit der ich über die Veränderungen in der musikverwertenden Landschaft und den damit einhergehenden Herausforderungen für die Künstler gesprochen habe, hat viel negative Resonanz und eine Fülle ätzender Kommentare erzeugt.

Im Lande des Dauergenörgels und der Berufsbesserwisser (vor allem bei den „Social“-Media-Platt-Formen) vielleicht keine Überraschung, aber da ich ein Sensibelchen bin, hat das durchaus Spuren hinterlassen.

Deswegen lassen wir das ab jetzt, Freunde.

Im Grunde ist eines ganz wichtig: Thematisiert man Derartiges offen, fühlen sich diejenigen, die einen supporten, irgendwie immer mit angesprochen. Das ist uncool und natürlich an der falschen Adresse.
Deshalb mal folgendes Fazit aus den vergangenen Jahren zum Thema: Überleben in der Musikbranche:

IHR wisst, dass es kein Zuckerschlecken ist, und ICH gehe davon aus, dass IHR MIR das glaubt.

Ab sofort wissen wir also ALLE, woran wir sind, und ich rede ab sofort weniger drüber und tu mein Bestes, dass es weitergeht mit dem, was uns allen am Herzen liegt: der Musik von ASP. Abgemacht?
Wir werden weiterhin unsere Musik so machen, wie wir sie lieben: besonders und für die breite Masse inkompatibel. Von gefällig bis sperrig, von metallisch bis folkig … wie auch immer es mir für unsere Storys passend erscheint. Das werden keine Mainstream-Produzenten entscheiden, keine Major-Plattenfirma und auch sonst niemand. Nicht einmal die Fans. Wir machen es so, wie wir es für richtig halten, und hoffen dann darauf, dass es euch gefällt. Nur so ergibt das einen Sinn.

Leider funktioniert es aber auch nur mit Geld. So sehr ich auch den Bambi-Blick aufsetze, Studios, Musiker, Presswerke und Artworker: Sie alle können nicht gratis für mich arbeiten. So ist das nun mal, und das ist voll okay.

Auch wenn man einen Job gerne macht, muss man seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Wenn man dann nicht genug Geld verdient, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Man macht Abstriche in der Qualität, oder man spart so lange, bis man sich seinen Traum erfüllen kann. Da ersteres für uns nicht infrage kommt, geht nur zweiteres. 

Dann muss man halt notgedrungen mal etwas länger sparen und kann nicht jährlich oder alle 18 Monate ein Album produzieren.

Und für alles andere (Live-Alben, Konzertfilme oder ähnliches) muss die Crowdfunding-Variante her. Geht nicht anders und muss dann eben so gemacht werden.

Okay so weit?
Dann krempeln wir die Ärmelchen hoch und machen motiviert weiter.

Dank Eurer Unterstützung.
Beste Grüße,

Asp

Eines noch:
Tonträger sind etwas Wunderbares. Ganz gleich wie praktisch angeblich schrottig klingende MP3s oder Streaming sind: Tonträger sind und bleiben was Unersetzliches, wenn man Musik liebt. Ich weiß es, denn ich tu es.

Freut euch mit uns zusammen auf KOSMONAUTILUS, die Fortsetzung von ZUTIEFST und vierten Teil des FREMDER-ZYKLUS.

Das Album wird voraussichtlich am 25. Oktober 2019 erscheinen. Die ersten Demos sind schon in Arbeit und machen mir schon jetzt irrsinnig viel Freude.

Fortsetzung folgt …